28.09.–24.11.2019

Eröffnung: 27.09.2019, 19h

Mit the mouth and the truth eröffnet im Portikus die erste institutionelle Einzelausstellung der norwegisch-nigerianischen Künstlerin Frida Orupabo in Deutschland.

Frida Orupabos Praxis besteht aus dem Sammeln von medialen und persönlichen Bildern, die sie auf Instagram (@nemiepeba) archiviert und in ihren analogen Collagen transformiert. In dem virtuell zugänglichen Archiv treffen Aufnahmen kolonialer Gewalt und Filmsequenzen meist afroamerikanischer Medien (unter anderem der Bürgerrechtsbewegung und des frühen Kinos) auf Kunst und Bilder aus Orupabos privater Fotosammlung, sodass sich die Grenzen zwischen Privatem, Politischem und Öffentlichem aufheben und eine subjektive Perspektive entsteht. In ihrer Aneinanderreihung stellen die Archivbilder eine stereotype Darstellung von Rasse, Geschlechterrollen, Sexualität, Gewalt, Privatsphäre, Autobiografie und Öffentlichkeit in den Medien nach.

Für das Archiv dekontextualisiert, defragmentiert und überlagert Frida Orupabo die vorgefundenen (Medien-)Bilder in ihren analogen Arbeiten. Durch diesen Prozess der Verfremdung produziert sie neue Erzählungen, welche die Bedeutung einzelner Bildelemente verändern. Ausschnitt, Wiederholung und Manipulation dienen dem Arrangement von Szenarien mit Figuren in unterschiedlichen körperlichen und emotionalen Zuständen. Themen wie Familie (insbesondere Mutterschaft), Alter und Märchen kreieren Situationen zwischenmenschlicher Beziehungen und Lebensabschnitte. Die Ausstellung the mouth and the truth im Portikus zeigt eine neue Serie von Orupabos Collagen, die sich zu einer offenen Narration zusammenfügen.

Die feministische Theoretikerin und Aktivistin bell books schreibt in The Oppositional Gaze – Black Female Spectators von der Politik des Blicks. Sie stellt ihn als Machtinstrument dar, das einerseits gesellschaftlichen Reglementierungen unterworfen ist und andererseits auch das Potenzial zur Opposition besitzt. Der Blick als machtpolitisches und emanzipatorisches Instrument spielt sowohl innerhalb der Bilder aus Orupabos Archiv als auch im Raum der Ausstellung eine Rolle. Während die dem Blick der Betrachter*innen ausgesetzten Körper anfangs als verletzbare Hülle erscheinen, wird schnell deutlich, dass sie ihn erwidern und zurückwerfen, was ihrer vermeintlich passiven Opferrolle widerspricht. So fordern die neu formierten Collagen jedwede determinierende Zuschreibung zurück und proklamieren einen Perspektivwechsel im Umgang mit Geschichte und Archiven.

Anlässlich der Ausstellung erscheint ein Künstlerbuch.

Frida Orupabo wurde 1986 in Sarpsborg, Norwegen, geboren und lebt und arbeitet in Oslo. Neben ihrer künstlerischen Praxis ist sie ausgebildete Soziologin. Vor Kurzem präsentierte sie ihre erste institutionelle Einzelschau im Kunstnernes Hus in Oslo, 2017 und 2018 eröffnete sie Ausstellungen bei Gavin Brown’s enterprise in New York und in der Galerie Nordenhake in Stockholm. Frida Orupabo verbindet eine künstlerische Kollaboration mit Arthur Jafa, mit dem sie gemeinsam in den Londoner Serpentine Galleries (2017), der Julia Stoschek Collection, Berlin (2018), der Galerie Rudolfinum in Prag (2019) und dem Moderna Museet in Stockholm (2019) ausgestellt hat.

Im Rahmen von Norwegen als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2019 wird die Ausstellung durch NORLA, Norwegian Literature Abroad und die Norwegische Botschaft in Berlin ermöglicht.

Photos: Diana Pfammatter