20.07.–08.09.2019

Eröffnung: 19.07.2019, 19h

Der Portikus freut sich, In Lieu of What Was zu präsentieren, eine Ausstellung der kuwaitisch-puerto-ricanischen Künstlerin Alia Farid (*1985).

Im Raum begegnet man einer Gruppe großformatiger Skulpturen, die in den Formen zur Herstellung der öffentlichen Trinkwasserbrunnen in Kuwait gegossen wurden, welche mittlerweile das Stadtbild im Persischen Golf entscheidend prägen. Die Brunnen (und damit Farids Skulpturen) haben die Form unterschiedlicher Gefäße, die zum Transport und zur Aufbewahrung von Wasser dienen – vom traditionellen Tonkrug bis hin zur allgegenwärtigen Plastikflasche. Die Künstlerin wählte diese Behältnisse mit Blick auf die Beziehung zum Wasser in der Wüste und dem Wandel im Anbetracht der wachsenden Wasserknappheit, die mit dem Ausbau der ölzentrierten Industrie einhergeht.

Die Ausstellung bildet den Auftakt zu einem Rechercheprojekt zwischen der Künstlerin, dem Portikus und der Städelschule, das das Leben im Anthropozän und die entscheidenden wirtschaftlichen Faktoren für die Ausbeutung natürlicher Ressourcen untersucht.

Bespeist aus Entsalzungsanlagen fungieren die Trinkwasserbrunnen als Ersatz für Dorfbrunnen und andere gemeinschaftlich genutzte Wasserquellen und werden so zur zeichenhaften Reminiszenz an vergangene Zeiten. In Lieu of What Was beleuchtet die Rolle des Wassers als regional eingesetztes politisches Werkzeug, etwa bei der Trockenlegung der Sumpfgebiete im südlichen Irak, der Landesgrenzen überschreitenden Verwaltung der Flüsse Tigris und Euphrat und dem kontrollierten Wasserentzug, durch den Mensch und Tier Zwangsdeportationen ausgesetzt werden.

In der Installation verbindet Farid Geschichte, Wirtschaftsentwicklung und Kultur in einer subtilen, zugleich fesselnden Veranschaulichung der ökologischen Krise im Persischen Golf und ihre schier unnachgiebigen Forderungen an die Natur.

Alia Farid lebt und arbeitet in Kuwait und Puerto Rico, ihren beiden Herkunftsländern, deren komplexe Kolonialgeschichte sie in ihren Zeichnungen, Objekten, Rauminstallationen und Filmen offenbart. Sie absolvierte einen Bachelor of Fine Arts an der Escuela de Artes Plásticas de Puerto Rico (San Juan), einen Master of Science in Visual Studies im Rahmen des Visual Arts Program am MIT (Cambridge, MA) und einen Master of Arts in Museum Studies and Critical Theory im Rahmen des Programa d’Estudis Independents am MACBA (Barcelona). Zu ihren jüngsten und kommenden Gruppenausstellungen zählen die Sharjah Biennale 14, die 2. Lahore Biennale und die Ausstellung Theater of Operations: Theater of Operations: The Gulf Wars 1991–2011 im MoMA PS1. Aktuelle und kommende Einzelpräsentationen finden in der Galerie Imane Farès (Paris), im Witte de With (Rotterdam) und im Swiss Institute (New York) statt.

Fotos: Diana Pfammatter