24.10.–06.11.2011

Als Weiterführung der räumlichen Umgestaltung und verdoppelten Ausstellungsfläche der seit Kurzem installierten Zwischendecke stellt der Portikus in dieser Ausstellung zwei künstlerische Positionen gegenüber. Es ist das erste Mal in der Geschichte des Portikus, dass solch eine offensichtliche räumliche Trennung stattfindet. Die architektonische Isolierung soll in diesem Fall allerdings eher auf eine Analogie als auf eine Trennung hindeuten, denn die Arbeiten von Michael Pfrommer und Adrian Williams entwickeln sich seit vielen Jahren parallel zu einander und sind in vieler Hinsicht verwandt. Nach ihrer beider Abschluss von der Städelschule verbrachten sie Auslandsaufenthalte in Tokio, New York und auf Feuerland, bis sie 2009 wieder nach Frankfurt zurückkehrten und seitdem gemeinsam hier leben und arbeiten. Täglich beeinflussen sie sich in ihrer jeweiligen künstlerischen Praxis und entwickelten darüber hinaus bereits zahlreiche gemeinschaftliche Projekte.

Michael Pfrommers Gemälde und Zeichnungen erzählen von mystischen Weltenräumen. Seine Motive zehren von den alltäglichen Eindrücken seiner Umgebung und der seiner Freunde und Familie. Er erinnert Fragmente aus Filmen, Musikstücken, Liedertexten und Bildgeschichten und verstrickt diese immer wieder aufs Neue miteinander, um für ihn bedeutsame Momente einzufangen oder zu erfinden. Die Ergebnisse variieren von verunstaltet wirkenden Selbstportraits und skurrilen Comic-Figuren über trost- oder reglose Landschaften bis hin zu subtil komponierten Stillleben. Man erkennt in den Bildern Pfrommers Faszination für Maler wie Bernard Buffet, James Ensor und Francisco de Goya, deren düstere, oft makaber und zutiefst erschütternde Bilder menschliche und psychische Zustände darstellen. Pfrommers besondere Fähigkeit liegt darin, den für ihn sichtbaren, oftmals abgründigen Zuständen – seien sie gesellschaftlich oder persönlich – mit Feinsinn und Humor zu begegnen. Dies wird auch durch seine schematische Herangehensweise betont, nämlich ständig und immer auf dem gleichen Papierformat zu produzieren sowie Motive zu wiederholen, überarbeiten oder nach geraumer Zeit wieder aufzunehmen. Es entsteht ein hermeneutisches Werk, das bestimmte Impressionen, Orte, Objekte und Personen immer wieder auftauchen lässt. Die Repetition, das rastlose, fast zwanghafte Fortfahren, ist zentraler Bestandteil Pfrommers Arbeit, welche in dieser Ausstellung erstmals in solch einem Umfang und in all ihrer Vielschichtigkeit präsentiert wird.

Adrian Williams nimmt mit ihrer neuen Installation das obere, temporäre Stockwerk ein. Sowohl die akustische Situation als auch der vertrauliche Raum mit Treppenaufgang, Holzfußboden und Ausblick auf die Stadt sind für die bis ins Detail entwickelten Aufführungen von Adrian Williams ein ideales Setting. Die Stücke bzw. Hörspiele, die von der Künstlerin geschrieben und mit Hilfe des Komponisten Theodor Köhler musikalisch ausgebaut werden, sind verknüpfte Musik- und Geschichtenstränge, die bei jedem erneuten Anhören andere narrative Bilder entstehen lassen. Da sich die Arbeit in einem Spannungsfeld zwischen Installation, Performance und Theater bewegt, wählt die Künstlerin oft eine begrenzte Zeitspanne, um das Werk – wie auf der Bühne – aufführen zu können. In der Ausstellung im Portikus wird das Stück, welches in mehrere Kapitel unterteilt ist, über die gesamte Laufzeit der Ausstellung zusammen mit den teilnehmenden Musikern und Schauspielern weiterentwickelt und einmal wöchentlich aufgeführt. Die Instrumente, Klangobjekte, Mikrophone, Lautsprecher, Möbel, etc., die von Adrian Williams in einer bühnenbildartigen Installation zusammengetragen wurden, funktionieren während der Öffnungszeiten für die Künstlerin und ihr Team als öffentlicher Proberaum. So verwandelt sich die gesamte Zwischendecke zu einem voluminösen Klangkörper, der Stimmen und Laute in den unteren Ausstellungsraum transportiert.

Obwohl Adrian Williams Werk im Vergleich zu Michael Pfrommers Bildern auf den ersten Blick formal gegensätzlich erscheinen mag, gibt es doch etliche Parallelen: Auch hier tauchen Beobachtungen aus wundersamen Welten auf; phantastische, geheimnisvolle Geschichten, rätselhafte Begegnungen und merkwürdige Stimmungen. Ebenso wie bei Pfrommer werden Konturen von Charakteren skizziert, die für jeden unterschiedlich lesbar sind. Und auch bei Williams gibt es zahlreiche Wiederholungen und Doppelungen, beispielsweise ausgewählte Geräusche oder Wörter, die sich beharrlich durch die Aufführung ziehen, um den Zuhörer immer wieder an einen bestimmten Ort zurück zu befördern. Die unaffektierte Auseinandersetzung mit der Arbeit des Anderen, aber auch die direkte Einflussnahme auf gewisse Prozesse und künstlerische Entscheidungen werden durch die „getrennte Nähe“ der räumlichen Gegebenheit im Portikus auf besondere Art hervorgehoben.

Aufführungen von Adrian Williams:

Mittwoch, 28. September, 19 Uhr

Mittwoch, 5. Oktober, 19 Uhr

Mittwoch, 12. Oktober, 19 Uhr

Mittwoch, 26. Oktober, 19 Uhr

Mittwoch, 2. November, 19 Uhr

Fotos: Helena Schlichting