30.01.–14.03.2010

Gegenstand der Ausstellung des in Los Angeles lebenden Künstlers Mathias Poledna (geb. 1965 in Wien) im Frankfurter Portikus ist eine neue, raumgreifende filmische Arbeit, die hier erstmals im Rahmen einer Einzelpräsentation zu sehen ist.

Ausgangspunkt der Arbeit ist eine von Adolf Loos (1870 - 1933) gestaltete und erstmals 1929 von der Wiener Firma L&J Lobmeyr produzierte Gruppe von Kristallgläsern. Das sog. "Barset" besteht aus zwölf Einzelteilen: Fingerschale, Champagnerflöte, Bierglas, Weindekanter, Wasserkrug, Wasserglas, Whiskeybecher Double Old Fashioned, Rotweinglas, Weißweinglas, Dessertweinglas, Sherryglas und Likörglas. Im Unterschied zu traditionellen Glasservices dieser Zeit, in denen sich die einzelnen Teile stark in Hinblick auf die ihnen jeweils zugedachte Verwendung unterscheiden und typischerweise mit einer Vielzahl gestalterischer Details versehen sind, basieren alle Teile des von Loos gestalteten Barsets auf einer einzigen, extrem reduzierten Grundform, einem vollrunden Glas mit flachem Boden, dessen Seiten sich zur Stellfläche in einem rechten Winkel befinden. Die einzelnen Bestandteile des Services lassen sich als "Variationen" dieses Motivs verstehen, die sich entsprechend der jeweils gedachten Verwendung ausschließlich in Hinblick auf das genaue Verhältnis von Glashöhe und -durchmesser voneinander unterscheiden. Den kulturphilosophischen Vorstellungen von Loos entspricht die schlichte, präzise Formensprache des Barsets. Anders als bei vergleichbaren gestalterischen Ansätzen dieser Zeit geht die formale Reduktion und Abwesenheit jeder Verzierung bei Loos mit höchster Raffinesse im Materialumgang und der Ausführung einher. Die Böden der mundgeblasenen, handgeschliffenen und -polierten Gläser sind mit einem Diamantschliff versehen, einer feinen, rasterartigen Textur, die subtilste Lichteffekte erzeugt. Ihr kulturhistorischer Hintergrund erschließt sich jedoch nicht in der Arbeit selbst; im Gegenteil, er ist aus der filmischen Darstellung gewissermaßen ausgelagert und durch eine räumliche Erzählung von Transparenz, Textur, Abwesenheit und Bewegung ersetzt. Im Zusammenspiel von typologischer Erfassung, Detailaufnahme und wechselnder Dramaturgie zielt sie auf eine Art Objektchoreographie ab, in der Grenzen und Übergänge zwischen Abstraktion, historischer Aufzeichnung und hyperästhetischer Produktinszenierung ausgelotet werden.

Wir danken der Deutschen Bank Stiftung für die freundliche Unterstützung.

Ebenfalls danken wir dem Österreichischen Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur für die freundliche Unterstützung.

Fotos: Katrin Schilling