30.01.–15.03.2009

Der amerikanische Künstler und Filmemacher Morgan Fisher (geboren 1942 in Washington, DC, lebt und arbeitet in Los Angeles) trat Ende der 1960er Jahre zunächst mit filmischen Arbeiten, wie The Director and His Actor Look at Footage Showing Preparations for an Unmade Film (2), Documentary Footage oder Production Stills (1968 bzw. 1970) in Erscheinung. In den frühen 1970er Jahren wurden diese Filmarbeiten bereits im Museum of Modern Art und im Whitney Museum of American Art in New York gezeigt.

Begleitend zu einem Kunstgeschichts- und Filmstudium arbeitete Fisher im Filmschnitt für Hollywoodproduktionen, und seine ersten Filmprojekte tragen deutlich lesbar diese Erfahrungen in sich. 1984 entstand der bekannte 35-minütige Film Standard Gauge, in dem vorgefundenes Filmmaterial nach einer genauen formalen Vorlage zusammengestellt wurde. Mit solchen konzeptuellen Vorgehensweisen reflektiert Fisher die Parameter der filmischen Darstellung. 2005 widmete das Whitney Museum of American Art Morgan Fisher mit Standard Gauge: Film Works by Morgan Fisher eine große Retrospektive seiner Filmarbeiten.

Ende der 1990er Jahre hat sich das Werk Fishers auf die Medien Malerei, Zeichnung und räumliche Installation ausgeweitet. Die zuletzt präsentierte Ausstellung Pendant Pair Paintings in der Galerie Daniel Buchholz (2007) zeigte beispielsweise ein Raum greifendes Konzept malerischer Arbeiten. Monochrom, in den Farben des Farbkreises gehaltene, rechteckige Leinwände kommentieren durch ihre spezielle Hängung die architektonischen Gegebenheiten des Galerieraumes. In einer weiteren Ausstellung beim Neuen Aachener Kunstverein, To See Seeing, wurden 2002 monochrom graue Malereien gezeigt, die in Winkelformen die Fenster des Raumes teilweise umrahmen.

Morgan Fisher zählt heute zu den namhaftesten und einflussreichsten Künstlern der amerikanischen Westküste und hat eine ganze Generation jüngerer Künstler maßgeblich beeinflusst. Über viele Jahre hinweg war er Professor an der UCLA und am Art Center College of Design in Pasadena, Kalifornien. Sein offener, medienübergreifender Arbeitsansatz brachte jedoch auch immer wieder Zuordnungsprobleme mit sich. Möglicherweise ist dies mit Grund dafür, dass Fishers Arbeiten über einen längeren Zeitraum, von Ende der 1980er bis in die späten 1990er Jahren, zu Unrecht weniger öffentliche Beachtung fanden. Der Portikus trägt nun mit der Ausstellung Portikus Looks at Itself dazu bei, Fishers Arbeiten wieder sichtbarer zu machen. Um dieses Vorhaben zu verstärken, wird der Portikus einen retrospektiv angelegten Katalog herausgeben, der mit Texten von Thom Andersen, Sabeth Buchmann, Rainer Bellenbaum, Benjamin Meyer-Krahmer und Morgan Fisher selbst, das Gesamtwerk des Künstlers und Filmemachers honoriert.

Mit Portikus Looks at Itself zeigt Morgan Fisher im Portikus eine raumgreifende Installation, wie sie ortsspezifischer nicht sein könnte. Er setzt sich unmittelbar mit der Architektur des Ausstellungsraumes auseinander. Der Ausstellungsraum des Portikus, der durch seine recht spezielle Höhe und diverse architektonische Elemente im oberen Bereich des Raumes zuweilen sehr bestimmt wird, wird über eine in der mittleren Höhe gedachten horizontalen Linie gespiegelt. Morgan Fishers Kommentar zu seinem ersten Raumeindruck verdeutlicht die Idee zur Ausstellung: "Der Raum ist wie geschaffen für die Ausstellung von Kunstwerken, er ist sozusagen perfekt, ohne bestimmte Eigenschaften, auf die ich mich in der Vergangenheit verlassen musste, um die Gemälde zu bestimmen. Zumindest trifft dies für den unteren Teil des Raums zu. Mit dem oberen Teil verhält es sich anders. Der Ausstellungsraum des Portikus ist in Relation zu seiner Grundfläche sehr hoch. Für mich war diese Höhe bereits ungewöhnlich, und in diesem ungewöhnlich hohen Raum befinden sich Details, die mir ebenso ungewöhnlich vorkamen: ein Steg entlang aller vier Wände und über drei dieser vier Wänden eine Reihe kleiner Fenster. Der Sinn und Zweck dieser Höhe und der Details erschlossen sich mir nicht. "Als ich darüber nachdachte, was ich für die Ausstellung machen könnte, schien es sinnlos, die obere Hälfte des Raums zu ignorieren, wo sie doch die untere so sehr dominiert. Durch meine Reaktion auf diese Architektur kam ich zu dem Ergebnis, diese Tatsache anzuerkennen und zu betonen, indem ich ihr nachgab. Und der Weg, dies zu tun, bestand darin, die obere Hälfte des Raums in der unteren zu verdoppeln. Wie der Titel der Arbeit schon andeutet, ist der Bezug zwischen der oberen Hälfte und ihrem Duplikat in der unteren der einer Spiegelung. Es ist als würde die obere Hälfte sich in einem Spiegel betrachten. Doch statt nur ein Bild zu sein, wäre die Spiegelung so stofflich wie ihr Original."Und Fisher weiter über die formale Geste, die architektonischen Elemente zu spiegeln und die inhaltliche Bedeutung der Idee: "Die Umkehrung, etwas auf den Kopf zu stellen, ist eine formale Operation, die in diesem Fall eine räumliche Symmetrie produziert, die darüber hinaus vertikal ist. Die Arbeit besteht nicht nur aus den verdoppelten Elementen, sondern aus der Gesamtheit der Bezüge zwischen den ursprünglichen Elementen in der oberen Hälfte der Architektur und den Elementen in der unteren, als deren Duplikate. "Für mich bestand der Ausgangspunkt der Arbeit in einer Kritik der architektonischen Elemente, die mir nutzlos schienen und sich dem Raum aufdrängten. Diese Elemente zu verdoppeln, war ein Weg, sie hervorzuheben und die Aufmerksamkeit auf sie zu lenken. Doch diese Verdopplung verwandelte die architektonischen Elemente, deren Sinn und Zweck mir entging, in Elemente, die etwas erzeugen. Eine einfache formale Operation produziert ein Werk, das die Gesamtheit des Raums umfasst."

Die Ausstellung wird großzügig unterstützt von der Dresdner Bank AG.

Fotos: Katrin Schilling