27.09.–09.11.2008

Der New Yorker Künstler Wade Guyton (geb. 1972) beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit dem Formenrepertoire der Moderne von Bauhaus und Konstruktivismus bis hin zu Minimalismus, Konzeptkunst und Appropriation Art. Seit 2005 arbeitet Guyton insbesondere auf Leinwand; sein Arbeitsgerät ist aber nicht der Pinsel, sondern ein Tintenstrahldrucker der Marke Epson Stylus Pro 4000/9600, ein Gerät, das für großformatige Drucke genutzt wird. Mit Hilfe des Computers stellt Guyton abstrakte Gemälde her: Die Motive werden am Computer konzipiert und später über den Drucker auf Leinwand gebracht; durch im Vorhinein wohl einkalkulierte Fehlerquellen wie etwa das Verwenden eines maschinenfremden Druckuntergrundes, die Dosierung der Menge der Farbzugabe oder das absichtliche Rütteln und Ziehen am Material während des Druckvorganges entstehen Schlieren, Tropfen oder Verzerrungen und Verschiebungen und verändern somit die seriell angelegte Vorlage zu einem originären Objekt. Das Zusammenwirken von Digitalem und Manuellem nimmt von jeher eine zentrale Rolle in Guytons Praxis ein. Der kalkulierte Zufall macht alle Elemente einer Serie unverwechsel- und unwiederholbar. Das Ergebnis besitzt malerische Qualitäten, obwohl der Herstellungsprozess durch einen mechanischen bestimmt wird - gleichzeitig aber wird durch die vermeintlich angestrebte Serialität der Arbeitszyklen der Anspruch auf Originalität, der der klassischen Malerei normalerweise anhaftet, aufgegeben. Es scheint so, als ob Guyton einerseits die anarchische, malerische Geste liebe, die am direkten Eingreifen in den Prozess abzulesen ist, andererseits aber geht er mit seinen Mitteln sehr pragmatisch zu Werke. Das ausgesprochen Zeitgenössische liegt - vielleicht gerade im Unterschied zu dem vieler anderer "Formalisten" - im direkten Einbezug der unmittelbar zur Verfügung stehenden technologischen Mittel.

Die neuen Arbeiten sind ausschließlich schwarze, monochrome Gemälde. Sie wurden ebenfalls mit einem Großformat-Epson-Drucker auf die selbe Weise hergestellt wie die Arbeiten der vergangenen drei Jahre, die man von Guyton kennt. Er wählte für die neuen Arbeiten als Träger einen grundierten Leinenstoff, der eigentlich für Ölgemälde vorgesehen ist und nicht für Ausdrucke mit einem Tintenstrahldrucker. Auf diese Weise werden die Bilder, Zeichen und Buchstaben, die Guyton weiterhin entwirft, von dem brüchigen Untergrund viel stärker aufgesogen und die Tinte wird eher verteilt, statt wie in seinen früheren Arbeiten direkt auf der Oberfläche zu sitzen. Der Künstler nutzte das neue Verhältnis der Leinwandoberfläche zur Tinte in der Folge dergestalt, dass er damit begann, seine eigenen Arbeiten mit einem in Photoshop gezeichneten Rechteck aus schwarzer Farbe zu überdrucken. Durch das wiederholte Überdrucken stellte sich ein unerwartet malerisch wirkender Verlauf ein. An jeder einzelnen Arbeit lassen sich die Eingriffe des Künstlers ablesen: die Spur der Bewegungen, die verschiedenen Stadien der immer dichter werdenden Tinte, die Spuren der Räder auf der feuchten Tinte, all dies vermischt mit den Kratzern und Schlieren des Gemäldes, das über den Boden geschleift wurde, um neuerlich durch den Drucker geschickt zu werden.

Mit freundlicher Unterstützung der UBS Deutschland AG.

Fotos: Katrin Schilling