12.07.–14.09.2008

Seit Ende der sechziger Jahre nimmt Martha Rosler in beißend-kritischen, aber auch humorvollen Arbeiten zu aktuellen und gesellschaftlich relevanten Themen Stellung. Mit ihrem Blick auf die alltäglichen Dinge des Lebens und gesellschaftlichen Konventionen dekonstruiert Rosler Schicht für Schicht die "Mythen des Alltags". Martha Rosler hat einflussreiche Arbeiten in den Bereichen Fotografie, Installation, Performance, Video, Textarbeiten sowie als Autorin kritischer und theoretischer Ausätze geschaffen. Sie ist keinem speziellen Medium verhaftet und arbeitet mit den Methoden und Strategien, die ihr für die jeweilige Thematik adäquat erscheinen. Sie verwendet daher ganz bewusst eine Sprache, mit der viele vertraut sind, und scheut dabei auch die Burleske nicht. Ihre scharfen Analysen und ihren trockenen Humor hat Rosler insbesondere auf die Rolle der Massenmedien, und hier vor allem im Krieg, gerichtet. In der Serie der inzwischen legend?ren Fotomontagen Bringing the War Home: House Beautiful und Bringing the War Home: In Vietnam (1967-72) hat Rosler ihren Unmut über die Berichterstattung aus Vietnam artikuliert. Mit diesen manipulierten Szenerien versuchte sie eine Reflexion über die tatsächliche Erfahrung des Krieges im Ausland und darüber, wie dieser zu Hause vor den Fernsehapparaten oder aus den Zeitungen erlebt wird, anzuregen.

Martha Rosler hat sich in ihrer Arbeit stets kritisch zur Positionierung der Frau in der Gesellschaft geäußert. In der Serie Beauty Knows No Pain or Body Beautiful (1965-74), Fotomontagen aus Abbildungen von Frauen, kritisiert sie die Darstellung der Frau in den Medien als Objekt sexueller Lust und Symbol für den Warenkreislauf und die Zuweisung bestimmter Attribute wie Häuslichkeit und Emotion. Im Zuge der Frauenbewegung hat Rosler begonnen, mit Performance zu arbeiten.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt im Werk von Martha Rosler ist die kritische Auseinandersetzung mit den urbanen Strukturen, in denen wir leben, als den Orten unserer täglichen Erfahrung, sowie ihrer sozialen Implikation. Schon Mitte der siebziger Jahre hat Martha Rosler in der Foto-Text-Installation The Bowery in two inadequate descriptive systems (1974-75) die Rolle und Repräsentation der Dokumentarfotografie hinterfragt, indem sie Aufnahmen leer stehender Geschäftslokale der Bowery, einer von Obdachlosen bevölkerten Straße in Manhattan fotografierten Texten, einer "Poesie der Trunkenheit" gegenüberstellte. In allen ihren theoretischen Arbeiten ebenso wie in ihren textuellen und visuellen Arbeiten, ihren Performances und Videos, hat Rosler ein Prinzip als künstlerische Strategie verfolgt: "Wenn du bewusste, konkrete Erkenntnisse in deine Arbeit bringen willst, ...tust du gut daran, dir selbst dort auch einen ziemlich konkreten Platz zu suchen." (Rosler 1981 im Interview in der Zeitschrift Afterimage)

Wie schon für die documenta 12 und die letztjährigen Skulpturen Projekte Münster hat Martha Rosler für ihre Ausstellung im Portikus eine ortspezifisch motivierte Ausstellungssituation entworfen. Dem Prinzip der Montage folgend untersucht sie verschiedene Aspekte, die aus historischer sowie aus gegenwärtiger Sicht das Image der Stadt Frankfurt als Handelsstadt ausmachen. Die Ausstellung beginnt dabei am Ausstellungsort selbst, der Alten Brücke, als historisch wichtiger Handelsverbindung, fährt weiter zu der Geschichte des früheren jüdischen Ghettos, der Judengasse, um sich dann den Bankhäusern zuzuwenden, die das europäische Bankenzentrum symbolisieren. Martha Rosler geht dabei der Frage nach, aus welchen Teilen sich das "City-Branding" in einer Stadt wie Frankfurt zusammensetzt. Ein Gemeinplatz gibt auf die Frage "Was sind die drei wichtigsten Dinge, die man bei der Wahl eines Grundstücks beachten muss?" folgende Antwort:"Location, location, location"

Die Ausstellung wurde großzügig unterstützt von der Dresdner Bank.

Vielen Dank für die Kooperation: Deutsche Börse Group, Historisches Museum Frankfurt, Jüdisches Museum Frankfurt.

Fotos: Katrin Schilling