21.03.–04.05.2008

Yona Friedman ist einer der interessantesten und wichtigsten Architekturtheoretiker und -utopisten unserer Zeit. 1923 in Budapest geboren, lebt er seit vielen Jahren in Paris. Friedmans Arbeiten umfassen städteplanerische Modelle, theoretische Texte und Animationsfilm. Bedeutende Ausstellungen hatte er bei mehreren Kunstbiennalen (u.a. Shanghai, Venedig) und der documenta 11 in Kassel.

1958 veröffentlichte Friedmann das Manifest "L'Architecture Mobile", das zugleich als Gründungsdokument des "Groupe d'étude d'architecture mobile (GEAM)" anzusehen ist, und entwickelte zur selben Zeit wichtige Raumstadtkonzepte wie etwa "La Ville Spatiale". Diese visionären Megastrukturen über bereits bestehenden Städten, in denen die Bewohner ihre räumliche und soziale Welt flexibel gestalten sollten, sind bis heute viel diskutierte Klassiker der städtebaulichen Avantgarde und beschäftigten Generationen von Architekten und Stadtplanern. Die Ideen dieser Manifeste waren visionär und seiner Zeit weit voraus; Ausgangspunkt für Yona Friedmans "Ville Spatiale" war die Überzeugung, dass die Architektur nur einen Rahmen, eine Struktur vorgeben dürfe, die von den Bewohnern nach eigenen Vorstellungen ausgefüllt werden solle. Ähnlich wie Constant, der zur gleichen Zeit, Mitte der 1950er Jahre, die Grundzüge von "New Babylon" entwickelte, sah Friedman in der fortschreitenden Automatisierung der Arbeitswelt und dem damit einhergehenden Anstieg der Freizeit eine entscheidende gesellschaftliche Veränderung, der die traditionelle Stadtgestalt nicht mehr gerecht würde. An Stelle der unbeweglichen und aufwendigen herkömmlichen Architektur sollten flexible, mobile Strukturen treten.

Während der letzten Dekaden seines Schaffens sind unzählige Zeichnungen, Modelle und Strukturuntersuchungen seiner visionären Ideen entstanden. Friedman arbeitete mit den einfachsten Mitteln; Papier, Draht, Verpackungsmaterialien sind dabei Struktur gebende Ausgangsmaterialien für seine Collagen und Modelle. Einfache Handhabung und kreative Anwendung seiner Ideen sind oberstes Prinzip. Für den Portikus erarbeitet Friedman gemeinsam mit StudentInnen und AbsolventInnnen der Städelschule eine mehrteilige Rauminstallation, die sich auf frühere Strukturmodelle seiner Arbeit bezieht. Zum einen ist das "Lamellar Technology", eine so genannte "irreguläre Struktur", die aus Papier oder anderen biegsamen Materialien in wellenförmigen Bahnen geformt wird und als eine Art lichtdurchlässiges Dach fungieren kann. Zum anderen wird eine Wandarbeit zu sehen sein, die sich auf Friedmans Beitrag zur Biennale in Venedig 2003, "Rubbish is Beautiful", zurückführen lässt. Hier wurden Verpackungselemente aus Styropor zu einem großen Wandrelief zusammengefügt. Durch die unregelmäßige Beschaffenheit ihrer Oberflächen entsteht der Eindruck eines modellhaften Aufrisses einer utopischen Stadt. Zusätzlich zur Ausstellung werden in einem Screening eine Serie von 13 Animationsfilmen von 1960 gezeigt, die auf afrikanischen Märchen basieren und seit kurzem wieder in einer neu restaurierten Fassung vorliegen.

Der Portikus zeigt in Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Frankfurt eine zusätzliche Installation mit "Space Chains" von Yona Friedman auf dem neuen städtischen Atelierschiff. Sein Anlegeplatz befindet sich am Mainufer (in Höhe Oberrad) direkt am Ruderdorf und stellt eine reizvolle Ergänzung als Kunststandort dar. Bespielt wird das Schiff in diesem Sommer abwechselnd von der Städelschule, dem Frankfurter Kunstverein und dem Museum für Moderne Kunst. Ab 2009 steht das Schiff internationalen Gastkünstlern des Kulturamtes als Atelier und Wohnung zu Verfügung.

Die Ausstellung und der Katalog wurden großzügig unterstützt von der Hessischen Kulturstiftung und der Deutsche Bank Stiftung.

Fotos: Wolfgang Günzel